27.04.2018 - 00:35 Uhr

Einen Golflehrer finden

Die Grundlagen des Golfschwungs, also Stand, Griff, Ausrichtung lernen Sie am besten bei einem ausgebildeten Golflehrer (Teaching-Pro). Nach welcher Methode er Ihnen dann erklärt, dass Sie im Schwung nicht mit dem Kopf wackeln sollen, ist dem Ball egal, solange er gut getroffen wird.

Bei einem Pro(fessional) unterscheiden wir zwischen einem „Playing Pro“ und einem „Teaching Pro“. Der Playing Pro muss kein Golflehrer sein. Er ist ein exzellenter Golfer, der versucht, sein Geld auf der Tour zu verdienen. Eine Golflehrerausbildung zum „Teaching Pro“ ist dagegen ein regulärer Lehrberuf. Der Golflehrer kann ein sehr guter Spieler sein, wichtiger ist aber seine didaktische Kompetenz und seine Fähigkeit, komplexe motorischen Abläufe bei seinem Schüler zu verinnerlichen, bzw. Fehler zu analysieren, um sie zu korrigieren. Ein ehemaliger Tour Spieler kann eine didaktische Katastrophe sein, während ein wenig talentierter Driving Range Pro, der nie eine Runde unter Par reinbrachte, ein brillanter Lehrer sein kann.

Traditionell war der Pro ein Clubangestellter, der den Clubmitgliedern das Golfspiel beizubringen hatte, was wesentlich mehr beinhaltete, als nur den Golfschwung. Etikette, das Verhalten auf dem Platz, Course Management, eine Landing Zone bestimmen, die Schlägerwahl, spezielle Schläge entsprechend regionaler Gegebenheiten, sowie das Spiel bei Regen, Trockenheit und Wind standen auf den Programm. Manche Pros fertigten Ihren Schülern sogar die Schläger an.

Heute haben Golflehrer, die 12 Stunden in der prallen Sonne, Kälte und Regen Stunden stehen, weder Zeit noch Nerv, sich mit mehr als dem Katastrophenschwung ihrer Schüler zu befassen, es sei denn, er geht mit der Mannschaft auf den Platz. Aber auch da wird nach meiner Beobachtung meist nur am Schwung gefeilt. Manche Clubs veranstalten Etikette-Abende, aber was letztendlich auf dem Platz passiert, wird immer weniger gelehrt.

Um Ihren Golflehrer zu finden, hören Sie sich erst mal um. Beobachten Sie auf der Range, wer sich von den Golflehrern Ihrer Region noch ernsthaft Mühe gibt. Wenn jemand nur redet, Zeit schindet und nicht konzentriert arbeitet, dann können Sie es gleich lassen.
Die blasierte Arroganz, mit der manche deutschen Pros ihren Schülern begegnen, steht oft in krassem Missverhältnis zu ihren Leistungen bei den deutschen Golflehrermeisterschaften und den Offenen.

Ob Ihr Pro einer ultraradikalen Golfsekte angehört, erkennen Sie daran, dass seine Golfstunden doppelt so teuer sind wie die seiner Kollegen.

Einen Pro, der Ihnen sympathisch und kompetent erscheint, sollten Sie eines Tages nach einer Unterrichtsstunde fragen, sofern er auch Nichtmitgliedern Stunden geben darf. Falls Sie bereits eine Clubmitgliedschaft besitzen, ist alles, außer dem Spiel selbst, einfach. Wenn Sie dann das Gefühl haben, dass die Chemie stimmt und er noch Freude an seiner Arbeit hat, was einem Golflehrer manchmal schwer fallen dürfte, dann bleiben Sie bei ihm. Sie sollten in der Anfangszeit, je nach Budget, alle sechs bis zehn Tage eine Lehrstunde nehmen und in der Zwischenzeit versuchen, das Gelernte zu üben.

Vor der Stunde sollten Sie sich warm machen, konzentrieren und nach der Stunde nochmal das verinnerlichen was Thema der Lehrstunde war.

Es scheint ein großes, grundlegendes Missverständnis darüber zu geben, worin eine Golfstunde besteht: Der Golflehrer zeigt Ihnen Griff, Stand, Ausrichtung und Schwung. »Gutes Golf ist ein guter Griff, die Einheit der Hände«, sagt Ben Hogan, »und Stand und Körperhaltung.«
Ein guter Stand versetzt den Spieler in die Lage, seinen Körper während des ganzen Golfschwungs im Gleichgewicht zu halten, die Muskeln weich und fließend zu bewegen und dadurch alle Energie mit einem Maximum an Kraft und Beherrschung einzusetzen.
Ein guter Golflehrer wird Ihnen diese Grundlagen als Erstes zu vermitteln versuchen, und Sie werden noch Jahre später, (wenn etwas nicht klappt), immer wieder zu den Roots zurückkehren: Griff, Stand, Ausrichtung und Schwung. Besonders wichtig ist der Griff, den Sie vom Pro immer wieder korrigieren lassen sollten, bis Sie Ihren Golfschläger locker, aber stabil in der Hand haben.
Musiker können am leichtesten verstehen, wie man einen Golfschläger hält. Wenn Sie einen Akkord auf der Gitarre greifen, werden Sie nur als Anfänger die ganze Zeit fest auf die Saiten drücken, bis Ihnen die Finger bluten. Ein guter Gitarrist verstärkt genau in dem Moment den Fingerdruck, wo er die Saiten anspielt. Sonst liegen seine Finger entspannt auf den Saiten. Genauso ist es mit Ihrem Golfgriff, und das kann man sogar vor dem Fernseher üben.

Weil es sich hier um äußerst komplizierte Abläufe handelt, die die Körpermotorik erst einmal verdauen muss, wird niemand erwarten, dass Sie der Meister sind, der vom Himmel fiel. Der Wunsch der Deutschen, alles gleich richtig und ordentlich zu machen und zu können, lässt sich im Golf nicht so schnell realisieren. Die deutsche Mentalität ist dem freien Schwung eigentlich diametral entgegengesetzt, aber Swing hat Deutschland nach dem Krieg aufgelockert und wird es auch im Golf tun.

(c) by Eugen Pletsch

 

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